09.09.2010
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Zitat des Tages
"Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat."
(Winston Churchill, engl. Staatsmann, 1874-1965)
Hoch bitte, fertig, los!
Hoch bitte, fertig, los!

So oder ähnlich beginnt jede Mensur. Erklärungsversuche dafür gibt es viele. Sinn und Zweck lassen sich jedoch am verständlichsten im Lichte der Geschichte erklären.

Der Beginn des studentischen Fechtens rührt noch aus der Anfangszeit der Universitäten her. Damals, als es in Deutschland noch keine Universitäten gab, musste sich der bildungsbeflissene Nachwuchs auf eine Reise quer durch Europa begeben - nach Bologna, Padua, Paris oder Salerno. Für die Studenten aus Deutschland, Böhmen, Polen, Spanien und anderen Ländern bedeutete dies sehr lange Reisen. Noch dazu waren diese teilweise lebensgefährlich durch Räuber und Kriege. Zum Schutz vor diesen Gefahren führten die Studenten damals eine Waffe mit sich.

Waren sie an ihrer Universität angekommen, schlossen sie sich einer sogenannten Nation an, einem Zusammenschluss von Studenten aus einem Heimatland, die im Mittelalter als der Zeit des Standes - und nicht der des Individualrechtes - dem einzelnen Studenten verschiedene Rechte sicherte, wozu auch das Recht auf das Waffentragen gehörte. Dieses Recht stand bis dahin allein dem Adel zu. Da jedoch viele Studenten Adlige waren, hatte die Obrigkeit damit zuerst keine Probleme. Dieses Waffenprivileg wurde bald auch an die neu gegründeten deutschen Universitäten mitgebracht.

Mit zunehmender Zahl von Bürgerlichen unter den Studenten versuchte die Obrigkeit, ihnen dieses Recht wieder streitig zu machen. Allerdings war dies nicht von Erfolg gekrönt und das Recht wurde im Jahre 1514 von Kaiser Maximilian I. in Wien verbrieft.

In der Folgezeit blühte ein teilweise äußerst wüstes Studentenleben auf, dass von seinem Recht regen Gebrauch machte. Ausgeprägtes, teilweise hochnäsiges Standesbewusstsein und eine unverhohlene Freude am Fechten führten dazu, dass die Studenten sehr viel fochten (ohne Regeln) und es auch so manchen Toten zu beklagen gab (Hofrat Meier aus Göttingen verfasste damals die Schrift "Über Bewaffnung und Taktik akademischer Polizeiwachen bei bevorstehenden Gefechten mit Studenten").

Die Universitäten suchten dies durch die Anstellung von Fechtmeistern zu zügeln, und manche von diesen gründeten ausgefeilte Fechtschulen, die sich mäßigend auf die rohe Kampflust auswirkten. Berühmt war zum Beispiel die Fechtmeisterschule Kreusler (1597-1819) in Jena. Gefochten wurde damals, im Unterschied zu heute, mit dem Stoßdegen, welcher nur Stich- keine Schnittverletzungen verursachte und wesentlich gefährlicher war.

Diese Art des Fechtens war noch weitgehend die "normale", d.h. man durfte Schritte tun und den Hieben auch ausweichen.

Die heutige Art des studentischen Fechtens entwickelte sich langsam seit der 2. Hälfte des 19. Jh., nachdem, durch die vielen Todesfälle beim Stoßfechten, das Hiebfechten wieder eingeführt wurde. Durfte man sich auch hier anfangs noch viel bewegen, so änderte sich dies mit der Einführung verbesserter Schutzkleidung und einem anderen Sinn und Ziel des Fechtens.

War früher das Ziel in einer Wiedergutmachung für Beleidigungen zu sehen, so wollte man nunmehr, verstärkt seit 1840, das Ziel der Selbstbeherrschung, Disziplin und der Einsatzbereitschaft in den Mittelpunkt gestellt sehen, da sich das der Wiedergutmachung für Ehrverletzungen dienende Duell als eigene Fechtart abgespalten hatte (und nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr vorkommt).

Somit wird heute also gefochten, da es einerseits Tradition ist, es aber andererseits wie damals als ein wirksames Mittel zur Erziehung zu Selbstdisziplin und Einsatzbereitschaft angesehen werden kann. Um gefährliche Verletzungen zu vermeiden, sind umfangreiche Schutzkleidungen für die wichtigen Bereiche wie Oberkörper, Arme und Hände, Hals, Ohren und Augen eingeführt worden.

Verletzungen sind damit nur auf dem oberen Kopfbereich und, allerdings wesentlich seltener, im Gesicht (Schmiss) möglich.

Übrigens: Wer sich heute einmal fragt, woher der Begriff "Kommilitone" stammt, wird genau diese Historie verfolgen müssen. Kommilitone bedeutet - aus dem Lateinischen übersetzt - "Mitsoldat, Waffenbruder" und ist heute noch gebräuchlich für die Bezeichnung von Studienkollegen.

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